Bewusste Abwägung
„Ich möchte das so nicht oder nicht mehr.“
Sorgen, Nutzenvorstellungen, Erfahrungen und persönliche Prioritäten können eine bewusste Entscheidung prägen.
Grundlagen
Der Begriff beschreibt, wie das gemeinsam vereinbarte Vorgehen im wirklichen Leben begonnen, umgesetzt und über die Zeit fortgeführt wird.
Begriff und Haltung
„Therapietreue“ klingt schnell so, als müsse ein Mensch lediglich eine Anweisung befolgen. Adhärenz setzt dagegen eine gemeinsam getroffene Vereinbarung voraus. Sie betrachtet nicht nur das Verhalten, sondern auch die Bedingungen, unter denen Anwendung möglich wird.
Dazu gehören die Therapie selbst, die Erkrankung, persönliche Erfahrungen, das soziale Umfeld sowie Strukturen des Gesundheitssystems. Einzelne Einflussfaktoren dürfen deshalb nicht vorschnell als mangelnde Motivation gedeutet werden.
Eine Verordnung ist dabei nicht automatisch eine erlebte gemeinsame Entscheidung. Verständliche Information, Raum für Fragen und die Einbeziehung persönlicher Ziele gehören deshalb zur Voraussetzung einer tragfähigen Vereinbarung.
Zwei unterschiedliche Ausgangslagen
Bewusste Abwägung
Sorgen, Nutzenvorstellungen, Erfahrungen und persönliche Prioritäten können eine bewusste Entscheidung prägen.
Unbeabsichtigte Abweichung
Vergessen, fehlender Zugang, unklare Anweisungen, körperliche Anforderungen oder ein überlasteter Alltag können die Umsetzung erschweren.
Die ABC-Taxonomie
Initiation
Wird die vereinbarte Therapie überhaupt begonnen? Schon dieser erste Schritt kann von Sorgen, Zugang oder fehlender Klarheit beeinflusst werden.
Implementation
Wie stimmt die tatsächliche Anwendung im Verlauf mit der vereinbarten Anwendung überein? Dazu gehören Zeitpunkt, Dosierung und Qualität.
Discontinuation
Wann endet die Anwendung? Der Zeitpunkt des Beendens ist ein eigener Vorgang und zunächst keine persönliche Bewertung.
Persistence
Wie lange reicht der Zeitraum vom Beginn bis zum Beenden? Persistenz beschreibt Dauer, nicht die Qualität jeder einzelnen Anwendung.
Wichtige Unterscheidung
Wird eine vereinbarte Therapie begonnen, umgesetzt und fortgeführt?
Wird ein Medikament oder Hilfsmittel in der vorgesehenen Qualität benutzt?
Wird eine App oder Webseite freiwillig wiederholt genutzt – und erfüllt sie dabei ihren Zweck?
Sind Zugang, Erklärung, Rückfragen und Unterstützung so gestaltet, dass der vereinbarte Weg im Alltag möglich bleibt?
Was wir zuerst prüfen
War der Nutzen persönlich nachvollziehbar?
Wurde die Anwendung verständlich gezeigt und überprüft?
War die Therapie erreichbar, bezahlbar und organisierbar?
Gab es eine Möglichkeit, Zweifel oder Veränderungen offen anzusprechen?
Was daraus folgt
Nicht jede Unterbrechung hat denselben Grund und nicht jede Messung beschreibt denselben Abschnitt der Adhärenz.
Bevor Unterstützung gestaltet wird, muss klar sein, ob Beginn, Umsetzung, Anwendungstechnik, Persistenz oder eine bewusste Entscheidung gemeint ist.
Woran erkennen wir im Alltag, ob die Maßnahme Menschen wirklich erreicht?
Eine einzelne Quote erklärt weder den persönlichen Grund noch die Qualität der Versorgung.
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