Verantwortung teilen

Unterstützung statt Ermahnung.

Adhärenz entsteht nicht allein bei der einzelnen Person. Auch Kommunikation, Zugang, Abläufe und die Gestaltung der Versorgung wirken mit.

Was unterstützen kann

Vier Aufgaben guter Versorgung.

01

Gemeinsam entscheiden

Ziele, Nutzen, Sorgen und Alternativen werden offen besprochen. Eine Vereinbarung wird nicht mit einer Anweisung verwechselt.

02

Verständlich erklären

Menschen erfahren, wofür ein Schritt gedacht ist, wie er funktioniert und woran sie die richtige Anwendung erkennen.

03

Anwendung prüfen

Technik und Verständnis werden nicht einmalig vorausgesetzt, sondern im Verlauf wieder aufgegriffen.

04

Belastung verringern

Abläufe, Termine, Zugang und Zahl der notwendigen Schritte werden so einfach wie medizinisch möglich gestaltet.

Anforderungen des Gesundheitssystems

DMP verbinden Behandlung, Schulung und Qualitätssicherung.

Der Gemeinsame Bundesausschuss beschreibt für strukturierte Behandlungsprogramme unter anderem evidenzbasierte Behandlung, Qualitätssicherung, Schulungen, Dokumentation und Evaluation. Damit wird Adhärenz nicht nur zur Aufgabe der Versicherten. Aus diesen Anforderungen lässt sich auch eine Verantwortung für die Qualität der Versorgung ableiten.

Ob ein einzelnes Programm die gewünschten Wirkungen erreicht, muss dennoch gesondert untersucht werden. Anforderungen und tatsächlich nachgewiesene Ergebnisse sind zwei verschiedene Ebenen.

Maßnahmen und Patientenprogramme

Unterstützung muss zum tatsächlichen Grund passen.

Erinnerungen können bei unbeabsichtigtem Vergessen helfen. Sie beantworten aber keine Sorge vor Nebenwirkungen, verringern keine komplizierte Anwendung und ersetzen keine gemeinsame Entscheidung. Häufig braucht es mehrere, aufeinander abgestimmte Bestandteile.

Übersichten zu Patientenprogrammen berichten mögliche Verbesserungen bei Adhärenz, Lebensqualität oder klinischen Ergebnissen. Programme, Zielgruppen, Messmethoden und Finanzierung unterscheiden sich jedoch deutlich. Deshalb darf kein einzelnes Ergebnis pauschal übertragen werden.

Kosten und Ressourcen

Es gibt keine belastbare Universalsumme.

Niedrige Adhärenz kann zusätzliche medizinische Versorgung und höhere Gesamtkosten mitverursachen. Die Höhe unterscheidet sich jedoch stark nach Erkrankung, Therapie, Messmethode und Gesundheitssystem.

01

Keine Zahl ohne Kontext

Erkrankung, Land, Zeitraum und Kostenart müssen sichtbar bleiben.

02

Kosten wirken in beide Richtungen

Zuzahlungen und organisatorischer Aufwand können die Anwendung selbst erschweren.

03

Der Mensch kommt zuerst

Gesundheit, Lebensqualität und Belastung dürfen nicht auf Einsparungen reduziert werden.

04

Zusammenhang ist nicht Ursache

Beobachtete Mehrkosten zeigen nicht automatisch, was sie im einzelnen Fall verursacht hat.

Welche Kosten gemeint sein können

Ressourcen entstehen an mehreren Stellen.

01

Versorgung

Behandlungen, Notfallversorgung, Krankenhausaufenthalte und zusätzliche Termine.

02

Alltag

Zeit, Wege, Organisation, Zuzahlungen, Arbeitsausfälle und Unterstützung durch Angehörige.

03

Unterstützung

Auch Schulung, Begleitung, Technik und Programme benötigen Ressourcen und müssen evaluiert werden.

04

Entwicklung und Prüfung

Beteiligung, Nutzbarkeitstests, Evaluation und die schrittweise Weiterentwicklung guter Angebote benötigen ebenfalls Ressourcen.

Was daraus folgt

Erkenntnis wird zur Gestaltungsaufgabe.

01

Erkenntnis

Adhärenz wird durch Entscheidungen und Fähigkeiten des Menschen ebenso geprägt wie durch Kommunikation, Zugang, Abläufe und Behandlungslast.

02

Konsequenz

Maßnahmen sollten am ermittelten Grund ansetzen und mit patientenrelevanten, klinischen und wirtschaftlichen Ergebnissen geprüft werden.

03

Prüffrage

Woran erkennen wir im Alltag, ob die Maßnahme Menschen wirklich erreicht?

04

Grenze

Teilnahme, Erinnerungen oder höhere Nutzungszahlen belegen allein weder eine bessere Versorgung noch geringere Gesamtkosten.

Quellen dieser Seite

Versorgung, Programme und Kosten

  1. NICE: Medicines AdherenceEinbeziehung von Menschen in Therapieentscheidungen
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss: Disease-Management-ProgrammeAufgaben, Anforderungen und Evaluation
  3. G-BA: DMP-Anforderungen-RichtlinieAktuelle Richtlinienseite
  4. Cutler et al.: Economic impact of medication non-adherenceSystematische Übersicht, 2018
  5. Cost Sharing and Medication AdherenceSystematische Übersicht, 2022
  6. Cochrane: Ways to help people follow prescribed medicinesSystematische Übersicht zu Adhärenzmaßnahmen und ihrer uneinheitlichen Wirksamkeit
  7. The Impact of Patient Support Programs in EuropeSystematische Literaturübersicht, 2022Verwendet für: mögliche Wirkungen und Grenzen von Patientenprogrammen